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Urologie

Erektile Dysfunktion : Diagnose

Erektile Dysfunktion

Definition

Definitionsgemäß bezeichnet man die erektile Dysfunktion (ED) als Unfähigkeit, eine Erektion zu bekommen bzw. aufrechtzuerhalten, die für einen befriedigenden Geschlechtsverkehr ausreichend ist.

 

Die erektile Dysfunktion ist eine sehr häufige Erkrankung und betrifft vor allem Männer in der 2. Lebenshälfte. Immer mehr ältere Männer mit erektiler Dysfunktion suchen ärztliche Hilfe, daher ist die sexuelle Gesundheit in allen Lebensabschnitten anzustreben und als altersunabhängiger Bestandteil des Lebens anzuerkennen. 

Ätiologie

Bis vor einigen Jahren glaubte man, dass die meisten Fälle psychischer Natur seien, doch seit Beginn der Ära der oralen Medikamente der Phosphodiesterasehemmer (PDE-5-Inhibitoren) weiß man es besser. Organisch-vaskulär bedingt ist der Anteil der ED bis zu 85%, mit 15% sind funktionelle (psychogen) und gemischte Ursachen dagegen seltener.

 

Organisch treten arterielle Schäden auf: in 50% idiopathisch, danach folgen Arteriosklerose und Diabetes mellitus.

 

Bedingt durch den heutigen Lifestyle und die schlechten Ernährungsgewohnheiten kommt es zuerst zu arteriosklerotischen Veränderungen und zur Verengung von kleinen Arterien. Diese Obstruktion führt eher zur klinischen Symptomatik (d.h. zur ED) als eine Obstruktion der Herzkranzgefäße. Aus diesem Grund wurde die Hypothese (Indikatortheorie) generiert, dass die ED die Spitze des Eisberges einer generalisierten vaskulären Erkrankung darstellt und deshalb schweren kardiovaskulären Ereignissen vorangehen könnte. Diese Hypothese wird durch eine Reihe klinischer Untersuchungen unterstützt, von denen im Folgenden einige Ergebnisse beleuchtet werden.

 

So untersuchten Montorsi et al. 300 Männer, die wegen eines akuten Koronarsyndroms einer Koronarangiografie unterzogen wurden. In diesem Kollektiv gaben 49% eine ED an und bei 2/3 bestand die ED bereits vor dem Koronarsyndrom. Das durchschnittliche Zeitintervall zwischen dem erstmaligen Auftreten einer ED und dem nachfolgenden akuten Koronarsyndrom betrug 39 Monate. Greenstein et al. korrelierten die Ergebnisse einer Koronarangiografie zur ED bei 40 Männern. Männer mit einer Eingefäßerkrankung hatten häufigere und stärkere Erektionen als jene mit einer Zwei- oder Dreigefäßerkrankung. Kwanishi et al. untersuchten den Zusammenhang zwischen der Penisdurchblutung und einer okkulten KHK mittels einer Doppleruntersuchung der Penisarterien. Dabei zeigte sich, dass Männer mit einer KHK eine deutlich reduzierte Penisdurchblutung aufwiesen. Möglicherweise kommt der ED deshalb in Zukunft eine Schlüsselfunktion als vorausgehendes Ereignis eines akut lebensbedrohlichen kardiovaskulären Zustandes zu. Der wesentliche Vorteil der ED als Schlüsselereignis gegenüber anderen kardiovaskulären Risikofaktoren ist die Tatsache, dass die ED von den Patienten wahrgenommen wird und diese deshalb - heute bereits zumindest zum Teil - medizinische Hilfe suchen.

 

Seltener kommen venöse Schäden (isoliert/kombiniert in 20%) und neurogene Schäden (in 10%) vor, z.B. durch multiple Sklerose und traumatisch nach Operationen sowie iatrogren.
Psychogene Usachen sind meist Kommunikationsprobleme, Reizüberflutung sowie falsche sexuelle Idealvorstellungen, die zu Partnerschaftskonflikten führen und eine latente ED verstärken bzw. klinisch manifest werden lassen.

Risikofaktoren

Als Risikofaktoren gelten Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Hyperlipidämie, Nikotinabusus.
 

Medikamentös: Antihypertonika, Lipidsenker, 5-Alphareduktasehemmer, durch Alkoholabusus induzierte Polyneuropathie. Postoperativ, z.B. radikale Prostatektomie, Beckenfrakturen und abdominoperineale Rektumamputation.

Häufigkeit und Verteilung

Die ED ist ein zentrales, bisher unterschätztes Gesundheitsproblem. In der heutigen Zeit hat sich durch die Enttabuisierung der ED gezeigt, dass immer häufiger systemische Erkrankungen wie hoher Blutdruck, Diabetes mellitus, benigne Prostatahypertrophie, Prostatakarzinom und Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei der Abklärung der ED entdeckt werden.

 

Das Lebenszeitrisiko eines Mannes, eine mittelschwere bis komplette ED zu entwickeln, liegt bei 30%, die Inzidenz steigt von 22,1% bei unter 50-Jährigen auf 49% bei über 50-Jährigen. Bei 90% der Patienten kann eine organische oder psychogene Ursache gefunden werden. Bei ca. 50-85% zeigt sich eine organische Genese, aber auch in bis zu 50% kombinierte Ursachen.
 

Eine Studie über die Prävalenz der ED bei über 2.800 Männern, die an einer Gesundenuntersuchung der Gemeinde Wien teilnahmen, zeigte in 32,2% der Probanden irgendeine Form der ED. In der Gruppe der 51- bis 60-Jährigen gaben etwa 30% eine milde ED, 10% eine mäßige ED und 5% eine schwere ED an.
 

Aufgrund der hohen Prävalenz der ED (derzeit gibt es in Österreich ca. 300.000 Männer mit mäßiggradiger/schwerer ED!) sollte jeder Patient mit einer deutlichen ED internistisch abgeklärt und hinsichtlich des Lebensstils beraten werden. Das Risiko, innerhalb von 10 Jahren einen Myokardinfarkt zu erleiden, ist bei mäßiggradiger/schwerer ED um 65% erhöht.

Diagnostik

Für das richtige diagnostische Vorgehen ist der Urologe bzw. der Androloge der beste Ansprechpartner. Mit ausreichender Zeit und fachmännischer Kompetenz kommt er zumeist den komplexen Ursachen und Zusammenhängen auf die Schliche. Medizinische und psychosoziale Anamnese auch mittels standardisierten Fragebogens, z.B. IIEF-Fragebogen, sind ebenso wichtig wie Laboruntersuchungen zu Blutbild, Leberfunktionsproben, Blutzucker, Triglyceride, Cholesterin, Kreatinin. Testosteron- und Prolaktin-Untersuchung bei Hinweis auf eine zugrunde liegende Erkrankung, z. B. Penisdeformation, Prostataerkrankungen, Zeichen des Hypogonadismus. Weiters der kardiovaskuläre und neurologische Status. Dann folgen SKAT/SKIT-Testung: d. h. der Schwellkörperinjektionstest mit Prostaglandin E1. Bei unklaren Ergebnissen kommt im Anschluss die pharmakodynamische Dopplersonografie zum Zug.
 

In Ausnahmefällen können eventuell als weiterführende Diagnostik noch die Kavernosografie, die nächtliche penile Tumeszensmessung, die selektive Arteriografie und die psychologische Befragung durchgeführt werden.

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Letztes Update:26 Februar, 2009 - 14:43